Interview mit Stacey Bromberg

Stacy - Du bist schon seit Jahren in der amerikanischen Dartszene zu finden - wie lange spielst Du schon Dart?
Und wie hat es angefangen?

Ich habe im Januar 1978 angefangen. Und es war einfach ein Zufall. Ich war in der Bar eines Freundes und habe am Montag Abend Fußball gesehen.
Ein anderer Freund spielte mit seinem Team Darts und sie hatten einen Spieler zu wenig. Sie haben mich angeworben und seither spiele ich Darts.


Hast Du dann auch in der Liga gespielt und wo?

Ich spiele immer noch in meiner Heimatstadt Las Vegas Liga. Mittwochs spiele ich in der Single League und Donnerstags in einem Mastersteam in meiner Bar - der CD-Lounge.


Was war das erste Turnier, das Du gewonnen hast?

Mein erstes ADO Turnier habe ich in einer Bar in Redondo Beach gewonnen, das war so im April 1987.


Wie siehst Du die Situation der weiblichen Dartspieler heute? Hat sie sich verändert?
Spielen jetzt mehr Frauen Darts?
Und denkst Du, die Frauen können mit den Männern mithalten?


Was Wettkämpfe gegen die Männer anbelangt, auf die muß ich mich einlassen, wenn ich ans hohe Preisgeld kommen möchte oder mir in der Dartwelt wirklich einen Namen machen möchte. Natürlich würde ich lieber gegen andere Frauen spielen aber bisher gibt es ja für die Frauen keine internationale Organisation ähnlich der PDC. Vor ein paar Jahren rekrutierten Trina Gulliver und Francis Hoenselaar Frauen, die der LDA (Ladies Darts Orgabisation) beitraten und es wurde von einem großen, im Fernsehen übertragenen Turnier gesprochen, dass im Oktober jenes Jahres in Deutschland stattfinden sollte. Es sollte ein hohes Preisgeld geben und alles sollte im Fernsehen kommen. Ich bin auch der Organisation beigetreten, aber es ist nie etwas passiert.


Spielst Du gerne in Single Wettkämpfen mit den Männern oder wären Dir reine Frauen Turniere lieber?

Also ich würde mir eine reine Frauen PDC wünschen, aber in der gegenwärtigen Situation spiele ich eben gegen die Männer, wenn ich die Chance dazu habe. Wenn ich gewinne ist das toll - wenn nicht habe ich eben ein hervoragendes Training gehabt.


Denkst Du, die PDC sollte etwas für die Frauen tun und Turniere für Frauen anbieten oder hätten die keinen Erfolg?

Die PDC hat ja versucht Frauendarts etwas anzukurbeln im Zusammenhang mit den Las Vegas Dessert Classics.
In den Jahren 2002 bis 2006 boten sie während der Desert Classics ein Frauenturnier mit hohem Preisgeld an. Ich habe es tatsächlich auch 2003 gewonnen...ich bin die einzige Amerikanerin, die jemals den Titel gewonnen hat. Aber die Teilnehmerzahlen sanken von Jahr zu Jahr. Sie mußten es einstellen.
Das ist wahrscheinlich mein bester Einzeltitel. Der Wettkampf war hart und im Finale habe ich meine gute Freundin Deta Hedman geschlagen, die ich als Spielerin sehr respektiere.


Denkst Du, dass es auch für weibliche Profi-Darter einen Markt gibt oder ist das Interesse nicht groß genug?
Und könntest Du Dir vorstellen, dass es auch mehr Frauen in Zukunft möglich sein wird, sich ihren Lebensunterhalt mit Darts zu verdienen?

Ich denke, das ist so eine Art Endlosschleife. So lange es kein hohes Preisgeld gibt, lohnt sich die ganze Herumreiserei nicht so richtig(besonders nicht aus Amerika).Und dann können sich die besten Spielerinnen nicht die Kosten leisten...und die Sponsoren wollen nicht für ein hohes Preisgeld aufkommen, wenn die Turniere nicht im Fernsehen übertragen werden...so geht das immer hin und her.
Ich glaube nicht, dass so lange ich lebe, amerikanische Dartspielerinnen jemals ihren Lebensunterhalt mit Dart spielen verdienen können werden. Und ich denke auch, dass es wirklich nur ein paar wenige europäische Topspielerinnen sind, denen das gelingt. Ich glaube das es im Moment einfach nicht lukrativ genug ist und ich weiß, dass ich meinen Job nicht deshalb aufgeben kann.


Denkst Du, dass die Damen Weltmeisterschaft der PDC für die weiblichen Dartspieler eine echte Chance ist?

Ja, ich glaube schon, dass das eine Chance ist. Alle Frauen auf der ganzen Welt konnten versuchen, sich dafür zu qualifizieren genau wie bei den Winmau World Masters. Ich glaube auch nicht, dass es so eine Art Marketing-Gag von Barry Hearn oder irgendjemand anders ist. Mr. Hearn ist ein brillanter Promoter, der bei der PDC Wunder bewirkt hat und ich hoffe, dass die Spielerinnen die Chance nutzen und an diesem Turnier teilnehmen. Ich erinnere mich noch gut daran , als die PDC nur eine Idee war und jeder sagte, sie können nie den Platz der BDO einnehmen.


Wer sind für Dich die Favoriten?

Ich weiß im Augenblick noch nicht, wer außer mir und Anastasia alles daran teilnehmen wird, also gefällt es mir uns als Favoritinnen zu sehen.


Was würde die „Tour Card“ für Dich mit sich bringen und würdest Du deshalb irgendwelche Probleme mit der ADO Bekommen?

Ich weiß gar nicht genau, was alles mit der Tour Card verbunden ist, aber ich hoffe, ich habe die Möglichkeit das herauszufinden. Ich möchte mich einfach mehr fordern und herausfinden, was ich einer neuen Umgebung leisten kann. Ich glaube nicht, dass diese Weltmeisterschaft mein Verhältnis zur ADO irgendwie beeinträchtigen wird, außer dass ich, soweit ich informiert bin, nicht an den „Welt“ Turnieren teilnehmen werden darf, an den Weltmeisterschaften der BDO und den Winmau World Masters. Ich plane aber weiterhin in Amerika herumzureisen und Turniere zu spielen, wie ich das schon seit vielen Jahren mache


Wir hatten schon viele Diskussionen zum Thema Frauen und Darts. Oft hieß es, Frauen wären nicht so Wettkampf orientiert und würden Darts auch nicht so ernst nehmen, wie die Männer - wären also vielleicht auch nicht ganz so engagiert.
Würdest Du aus Deiner Erfahrung sagen, dass es wirklich einen Unterschied in der Einstellung gibt?

Also ich denke Frauen sind kein bißchen weniger Wettkanmpf orientiert als die Männer, es fehlt ihnen einfach das Geld, so viel zu reisen, wie die Männer das tun. Es ist wirklich sehr teuer, besonders auf internationaler Ebene. Ich habe das Glück, von Laserdarts gesponsert zu werden, das hilft wirklich sehr viel.


Trainierst Du sehr viel? Und was und wie lange trainierst Du? Denkst Du, dass es so etwas wie ein allgemein gültiges Training gibt oder ist Darts zu sehr ein Individualsport und Jeder muss herausfinden, was ihm hilft?

Ich trainiere nicht so viel, wie ich trainieren sollte. Momentan verlasse ich mich eher auf meine Erfahrung als auf mein Training. Aber wenn ich trainiere, versuche ich immer so zu trainieren, dass es einem Wettkampf gleicht. Ich spiele so 15 bis 20 Minuten und mache dann eine Pause. Ich spiele also ein Spiel und warte dann auf die nächste Runde.
Mein Trainingsplan ist immer der gleiche, man kann ihn auf meiner Homepage www.stacybromberg.com unter practice routines finden. Jeder sollte so trainieren, dass er sich dabei wohl fühlt, Darts ist schließlich ein mentales Spiel. Sich bei seinem Spiel wohl zu fühlen, ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Also musst Du so trainieren, dass Du an Selbstvertrauen gewinnst.


Du wurdest letztes Jahr für den WDF World Cup nominiert - wie ist das Nominierungsverfahren?
Und wie oft hast Du schon am World Cup teilgenommen?

Ich glaube das war das sechste Mal. Ich war zweimal in Holland, in Australien, in Süd Afrika, in Las Vegas und dann in Charlotte. 2003 habe ich aus persönlichen Gründen auf Frankreich verzichtet und 2001 zum World Cup in Malaysia trat das ganze amerikanische Team nicht an.
Um nominiert zu werden gibt es zwei Wege: Entweder Du wirst über Deine besten Ergebnisse bei 12 ADO Turnieren die Nummer 1 oder Du gewinnst die nationale ADO Meisterschaft.


Warum denkst Du sind Länder wie Großbritannien und die Niederlande im Dartsport so dominierend?

Meiner Ansicht nach liegt das mit daran, dass die Spieler viel jünger sind, wenn sie anfangen zu spielen. Dazu kommt, dass die Spieler bereits im reifen Alter von 16 Jahren in den Pubs bei Wettkämpfen spielen dürfen und dass in Übersee - zumindest in Großbritannien - Darts viel eher so eine Art Nationalsport ist als in Amerika. Und dann stell Dir noch vor, dass ganz Großbritannien mehr drei Mal alleine in den Staat Texas hineinpaßt und die Amerikaner nicht ganz so wettkampf- orientiert sind wie die Europäer...es ist einfach sehr kostspielig und zeitintensiv quer durch unser Land zu den Turnieren zu reisen.


Kannst Du Dir vorstellen, dass auch Amerika eines Tages mitmischen wird und was sind wohl die größten Probleme, die in Amerika zu überwinden wären, dass es soweit kommen kann?
Hast Du eine Idee, wie man Dart in Amerika besser verkaufen könnte, damit es vom Fernsehen übertragen würde?

Also als erstes müßte man die Massen erziehen, wenn man Darts ins Fernsehen bringen möchte. Das sage ich schon seit Jahren. Die meisten Amerikaner haben keine Ahnung davon, wie Darts gespielt wird oder wie man punktet. Bevor die Leute nicht begriffen haben, wie es funktioniert, werden sie sich an den Wochenenden weiter durch die Kanäle zappen und bei Dingen wie Extreme BMX oder Skateboard Halfpipe hängen bleiben, wo sie beobachten können, wie jemand ausgelöscht wird. Das finden sie unterhaltsam.


Die PDC spielt bei ihren Turnieren nur 501 Einzel, während bei den ADO/WDF/BDO Turnieren auch Doppel und Teamwettbewerbe stattfinden. Ist 501 Single in Deinen Augen mehr wert? Und was macht Dir am meisten Spaß?

Bei einem Turnier ist mir 501 Single am liebsten. Doppel machen mehr Spaß, aber bei Einzeln gibt es immer nur Dich und Deine Gegner und das genieße ich. Ich möchte immer gerne sehen, ob mein Spiel gegen andere standhält. Blind Draws sind nur Spaß und es geht dabei mehr um den sozialen Aspekt.


Und wie ist das mit Cricket?

Ich bin einer der wenigen Amerikaner, der 501 Cricket vorzieht. Cricket wird ja in Europa und in Großbritannien bei Turnieren überhaupt nicht gespielt. Wenn es dort zum Spaß im Training gespielt wird, heißt es auch Mickey Mouse oder Tactics. Mir gefällt es, dass man beim 501 ein bestimmtes Segment (ein Doppelfeld) treffen muss, um zu gewinnen. Beim Cricket zählen zwei Einzelfelder = ein Doppel. Warum Cricket in Amerika so beliebt ist, ist mir ein Rätsel.


Spielst Du auch E-Dart?

Ich spiele E-Dart zum Spaß und zwei Mal im Jahr wegen des Preisgelds. Und zwar im April bei den NDA Internationals in Vegas und im Mai bei den Bullshooter Internationals in Chicago.
Aber ich persönlich bevorzuge die "Reinheit" von Steel-Dart gegenüber E-Darts. Beim Steeldart trifft der Dart oder er trifft nicht - da gibt es keine Bouncer die zählen oder Maschinen, die für Dich rechnen.


Was hältst Du für Deine bisher größte Leistung?

Ich denke meine bisher größte Leistung war, dass ich sechs Jahre in Folge das North American Open gewinnen konnte und dass ich von den letzten 18 Jahren 16 Jahre die amerikanische Nummer 1 war. Diese Rekorde werden wohl nie gebrochen werden.


Was ist Deine Einstellung zum Thema Alkohol und Darts?

Darts und Alkohol - das hört sich so ähnlich an wie Rührei mit Speck... Für mich persönlich passen gute Darts und Alkohol überhaupt nicht zusammen. Ich selber ziehe es vor, Turniere nüchtern zu spielen und als ich mich letztes Jahr bei den Las Vegas Desert Classics mit Phil Taylor unterhielt bevor er auf die Bühne ging, habe ich gesehen, dass er reinen Cranberry Saft getrunken hat. Und er ist der beste Spieler der Welt, das sagt doch alles.
Was Taylor zu so einem überlegenen Spieler macht ist diese unglaubliche Intensität mit der er spielt. Beobachte mal seine Augen, wenn er am Wurf ist. Für ihn zählt in diesem Moment wirklich nichts anderes, als mit dem nächsten Dart das Ziel zu treffen. Er hat eine unwahrscheinlich Fähigkeit für diesen Tunnel-Blick, das unterscheidet ihn von allen anderen.


Und ist für Dich Darts ein Sport, der möglicherweise eines Tages auch bei den olympischen Spielen zu finden sein wird?

Ich bin voller Hoffnung, dass Darts Bestandteil olympischer Spiele werden wird. Curling und Bogenschießen haben es geschafft, warum also nicht Darts 2012? Abwarten und Tee trinken...


Jedes Jahr während der Las Vegas Desert Classics hast Du eine Wohltätigkeitsveranstaltung organisiert. Wie kam es dazu, wer bekommt das Geld und was für eine Art von Veranstaltung ist das?

Letztes Jahr habe ich das zum 12.Mal organisiert! Alles Geld geht an die Make-a-wish Stiftung in South Nevada. Bisher haben wir knapp $ 105 000 für die Kinder gesammelt. Darauf bin ich sehr stolz und ich möchte damit weitermachen, solange ich kann.


Werden die neuen Turniere in Las Vegas die Las Vegas Desert Classics ersetzen können?

Ich habe auch davon gehört, dass es keine Las Vegas Desert Classics mehr geben wird und das ist schade, aber ein Turnier kann nicht jahrelang mit finanziellen Verlusten ausgetragen werden. Es war eine enorme Anstrengung, das Turnier auf die Beine zu stellen, aber es wurde nie zu einem Erfolg, also muss man etwas ändern. Ich weiß noch zu wenig über das Turnier, dass es dieses Jahr ersetzen wird, ich kann einfach noch nicht beurteilen, ob es ein Erfolg werden wird oder nicht. Ich hoffe es auf jeden Fall!


Was für einen Beruf hast Du?

Ich habe 27 Jahre im juristischen Bereich gearbeitet, dann für kurze Zeit für die Make-a-Wish Foundation. Und jetzt unterrichte ich für den Clark County School District hier in Las Vegas.


Hast Du den Eindruck, dass sich das Älterwerden irgendwie auf Deine Darts auswirkt?

Wenn man älter wird, wird das Reisen anstrengender! Das ist einfach so, aber meine Darts Mentorin Lil Coombes war 64 Jahre alt, als wir uns kennengelernt haben und wir sind dann noch 5 Jahre zusammen herumgereist!


Hattest Du irgendwelche Vorbilder, als Du angefängen hast Dart zu spielen oder Spieler, die Dich unterstüzt haben?

Lil war für mich immer mein Vorbild und wird es auch für immer bleiben. Aber natürlich sind es auch Phil Taylor, Paul Lim, John Part, Ronnie Baxter und Darin Young. Leider ist Lil im Juni 2008 gestorben, aber sie ist trotzdem während jedes Wettkampfs bei mir.


Hast Du immer noch Ziele und was würdest Du gerne noch erreichen?

Ich denke, man sollte sich immer Ziele setzen. Es ist ganz normal, dass man sich für die Wettkämpfe die Stange immer höher legt. Ich würde immer noch gerne während eines Turniers einen Neun-Darter werfen. Hoffentlich klappt das eines Tages...


Was hältst Du für den Grund dafür, dass Du so erfolgreich bist?
Ist es Talent, mentale Stärke oder liegt es an Deiner Persönlichkeit?

Ich nehme an, dass es daran liegt, dass ich ganz am Anfang jeden Tag stundenlang trainiert habe. Es ist ganz wichtig, dass sich die Grundlagen von Anfang an richtig entwickeln können. Darts ist etwas Physisches. Der Follow Through, Konzentrationsfähigkeit und Training, Training, Training. Alle Komponenten müssen zusammen kommen, damit das richtige Endprodukt herauskommt: das gewonnene Spiel.


Wie würdest Du Deine Persönlichkeit beschreiben?

Ich würde sagen, ich bin voller Selbstvertrauen und sehr entschiedend, mache mir aber wie alle anderen Spieler gern eine gute Zeit.


Welchen Rat würdest Du einer jungen, begabten Spielerin geben?

Den Rat, dem ich jedem geben würde: Nimm Dich selbst nicht zu ernst und habe Spaß beim Spielen.


Du spielst schon viele Jahr Darts - bist Du immer noch fasziniert und was fasziniert Dich?

Zwei Dinge halten mein Interesse aufrecht: Zum einen habe ich das Glück, das ich gut Darts spiele und - mal ehrlich - wir lieben doch alle Dinge, in denen wir gut sind.
Und zum anderen bringen mich die Menschen, die ich getroffen habe und all die Orte, an denen ich ware immer wieder zurück.
Darts ist für mich ein großes Abenteuer!



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